17.04.2018

Finanzreform der Pflegeversicherung für Westerfellhaus nicht undenkbar!

Forderung des DEVAP zur Einführung einer echten Teilkasko.

Dr. Bodo de Vries, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Evangelischen Verbands für Altenarbeit und Pflege e.V. erklärt anlässlich der ersten Pressekonferenz des neuen Pflegebeauftragten Andreas Westerfellhaus und dessen Äußerung, dass die steigende Lohnentwicklung und weitere Qualitätsverbesserungen, wie ein mehr an Personal nicht zu Lasten der Betroffenen gehen darf: Wir werden Herrn Westerfellhaus beim Wort nehmen und freuen uns, dass wir in ihm einen starken Mitstreiter gefunden haben, der die Notwendigkeit einer Finanzierungsreform sieht.

Genauso wie Herr Westerfellhaus wollen wir als Fachverband von der Politik nicht mehr hören, warum es nicht geht, sondern wie es geht. Auch wir sehen mit Sorge die zunehmende finanzielle Last der Pflegebedürftigen, die in stationären Einrichtungen leben und mit dem steigenden einrichtungseinheitlichen Eigenanteil hadern. Die Pflegeversicherung kommt schon lange nicht mehr ihrer Aufgabe nach, die Menschen vor dem Sozialhilfebezug zu schützen. Pflegebedürftigkeit erhöht das Armutsrisiko schon heute deutlich. Waren ein Jahr vor Einführung der Pflegeversicherung noch 560.000 Personen auf Hilfe zur Pflege angewiesen, halbierte sich laut dem Statistischen Bundesamt diese Zahl dank der Pflegeversicherung. Und heute – fast 20 Jahre danach kennt die Anzahl der auf Sozialhilfe angewiesenen pflegebedürftigen Menschen nur eine Richtung: Nach oben. Im Jahr 2015 zählte das Bundesamt bereits wieder 450.000 Hilfeempfänger. Von Pflege Betroffene kommen also immer häufiger an den Rand der Existenzsicherung. Denn jede Leistungsverbesserung, jede Tariflohnsteigerung und jede zusätzliche Pflegekraft greift in das Portemonnaie der Pflegebedürftigen.

Deshalb fordert der DEVAP zusammen mit anderen Trägern, die Pflegeversicherung zu einer „Echten Teilkaskoversicherung“ umzubauen. Der Betroffene zahlt dabei einen festen und kalkulierbaren Anteil und sämtliche darüberhinausgehende Pflegekosten zahlt die Pflegeversicherung und die Behandlungspflegekosten übernimmt die Krankenversicherung, unabhängig vom Wohnort. Das wäre ein einfaches und gerechtes System. Wir haben als Verband Prof. Dr. Rothgang mit einem Gutachten beauftragt, dessen Ergebnis uns beweist, dass der Systemumstieg gelingen kann und alle davon profitieren. Weitere Informationen unter: https://tinyurl.com/ycrch7ox 

Gerne werden wir Herrn Westerfellhaus mit unseren Ideen unterstützen und freuen uns über die Zusammenarbeit mit ihm, damit die Belange der Altenpflege bei seiner Arbeit als Pflegebevollmächtigter
ausreichend berücksichtigt werden.