16.01.2012

DEVAP lehnt EU-Vorstoß zur Pflegeausbildung ab

Einengen des Bewerberkreises ist der falsche Weg

„Für die Altenhilfe ist es absolut kontraproduktiv, den Zugang zur Ausbildung einzuschränken.“ Mit diesen Worten wendet sich Renate Gamp, Vorsitzende des Deutschen Evangelischen Verbands für Altenarbeit und Pflege e.V. (DEVAP), gegen EU-Pläne, die Zugangsvoraussetzungen für Pflegeausbildungen von zehn auf zwölf

Schuljahre heraufzusetzen. Dies ist im Rahmen einer Reform der Richtlinie zur Anerkennung von Berufsqualifikationen geplant.

„Viele Beschäftigte in der Altenhilfe haben eine Krankenpflege-Ausbildung. Unsere Einrichtungen und Dienste sind also von daher von der Richtlinien-Änderung betroffen“, erläutert Renate Gamp. „Und über die geplante Zusammenführung der Pflegeausbildungen ist auch die Nachwuchsgewinnung in der Altenpflege-Ausbildung gefährdet – ein Bereich, in dem bereits jetzt der Fachkräftemangel ein gravierendes Problem darstellt. Altenpflegeeinrichtungen benötigen heute teils Monate, um Stellen neu zu besetzen. Den Bewerberpool einzuengen würde die Situation dramatisch verschlechtern. In dieser Situation nützt ein Verweisen auf ein langfristig besseres Image und damit mehr Interesse am Beruf nichts.“

„Zu unseren Mitgliedern gehören mehr als 90 Altenpflegeschulen. Deren Lehrkräfte können bestätigen, dass es sehr wohl potente Bewerber mit Realschulabschluss gibt. Wozu sollte man dann eine zusätzliche Barriere durch zwei zusätzliche Schuljahre einbauen?“

Für die DEVAP-Vorsitzende ist klar: „Die Altenhilfe braucht qualifiziertes Personal, das mit den gestiegenen Anforderungen des Aufgabenprofils umgehen kann. Dafür benötigen wir jedoch keine rein formalen Kriterien wie längere schulische Vorbildung – wir brauchen inhaltliche Qualifikationen. Dazu müssen wir direkt bei der Ausbildung ansetzen. Der DEVAP fordert, die Ausbildung selbst neu zu konzipieren: moderner, in Module strukturiert und durchlässig zum allgemeinen Bildungssystem, was neue Karrierewege eröffnet. Das würde mit einer generalistischen Ausbildung erreicht. So lässt sich die Attraktivität des Berufsbilds nachhaltig steigern. Gleichzeitig ist eine Neugestaltung des Ausbildungskonzepts auf die gewachsenen Anforderungen des Aufgabenfelds zugeschnitten.“