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07.12.2018

Erstes DEVAP-Symposium - Bericht

Nach einigen Grußworten von Dr. Bodo de Vries, DEVAP-Vorstandsvorsitzender, und Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland, in denen vor allem die gute gemeinsame Zusammenarbeit mit Caritas und VKAD zum „Kleeblatt-Papier“ betont wurde (siehe Rundschreiben 126/2018), hielt Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, der Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege, die Eröffnungsrede. Er betonte, dass eine langfristige Lösung für die Neugestaltung der Pflegeversicherung erforderlich ist, und begrüßte die Ansätze des DEVAP aus dem Positionspapier. Die höheren Kosten, so Westerfellhaus, dürften nicht bei den Pflegebedürftigen hängen bleiben. Hier seien u. a. auch die Kommunen in der Pflicht, Investitionskosten (wieder) zu übernehmen. Auch die Ausbildung müsse attraktiver werden, indem den neuen Pflegefachkräften wertschätzend und auf Augenhöhe begegnet werde.

In der anschließenden Diskussionsrunde kamen die Fachausschussvorsitzenden des DEVAP zu Wort: Auf die Frage von Frau Jung, wie die Schnittstelle zwischen Zivilgesellschaft und dem Pflegesystem („geteilte Verantwortung“) künftig verbessert werden solle, verwies Westerfell-haus auf die Bestrebungen zur Entbürokratisierung und ein Copilot-Projekt, welches pflegende Angehörige bei der Krankenhausentlassung des Pflegebedürftigen unterstützen soll. Herr Wirth kritisierte die angestrebte Zulassung der ambulanten Betreuungsdienste in die Regel-versorgung mit dem TSVG (siehe Rundschreiben 124/2018). Herr Westerfellhaus nahm die Kritik gern mit und lud in diesem Zusammenhang dazu ein, konkrete Missstände immer zu benennen und ihn zu informieren. Nur so könne die Maßnahme dem Alltag angepasst werden. Die langfristigen Ideen fehlten, so Frau Sickau, was derzeit gesetzlich verändert werde, scheine eher kurzfristiger Aktionismus zu sein. Westerfellhaus erwiderte hierzu, dass er eine klare Vorstellung für langfristige Strategien habe, wie z. B. eine zweijährige Assistenzausbil-dung in allen Bundesländern. Dies erfordere jedoch Zeit, um alle Akteure im System mitzu-nehmen. Auf die Frage von Herrn Machleit, wie eine finanzielle Unterstützung für die Pflege-schulen bei der Umsetzung des Pflegeberufereformgesetzes aussehen könne, betonte Wes-terfellhaus, dass derzeit über die Regelungen zu den Investitions- und Mietkosten diskutiert werde und er sich massiv dafür einsetze, dass die Schulen von den Ländern hier finanziell unterstützt werden. Rund 80 Gäste waren zusammengekommen, um am 22. und 23. November 2018 in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin gemeinsam unter dem Titel „Pflege: Wir gestalten die Zukunft“ über die wichtigsten Herausforderungen im Bereich der Pflege für die kommenden Jahre zu sprechen. Mit einem Grußwort eröffnete Manfred Lucha MdL, Minister für Arbeit und Soziales des Landes Baden-Württemberg und damit gleichsam der „Hausherr“ am Tagungsort des DEVAP, am 23. November 2018 den zweiten Tag des Symposiums. Er betonte u. a., dass der demographische Wandel keine Bedrohung, sondern ein Potential sei, welches es zu nutzen gelte. Im Anschluss stellte Maxie Lutze, Research Consultant von VDI/VDE Innovation + Technik GmbH, in ihrem Vortrag die Frage: „Wie können Digitalisierung und Robotik in der Pflege unterstützen?“ Anhand einer Umfrage habe sich herausgestellt, dass die Kenntnisse über die Entlastungsmöglichkeiten durch den Einsatz von Robotik und Digitalisierung für Pflegekräfte noch relativ gering seien. Die Digitalisierung werde eher als Belastung oder sogar als Gefahr für den eigenen Arbeitsplatz angesehen. Auch in der Aus-, Fort- und Weiterbildung sei der Einsatz der neuen Technik noch nicht angekommen. Es werde allerdings erwartet, dass sich dies in mittelfristiger Zukunft ändere. Frau Lutze stellte verschiedene Produkte vor, wobei davon bisher nur eins bereits in der Praxis verwendet wird: Eine Hebehilfe zu einem Mietpreis von 750 $ pro Monat. Damit wurde deutlich, dass der Weg noch weit ist. Mit dem Fazit „Man muss es wollen und machen“ gab Frau Lutze den Anwesenden den Impuls mit, sich für den Einsatz von neuer Technik zu entscheiden und durch Testen Erfahrungen zu sammeln. In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Maxie Lutze, Dr. Florian Caspari, Geschäftsführer von toechtersoehne.com, und Tobias Kley, Projektleiter Innovation und Technik im Evangelischen Johannesstift gGmbH, unter Moderation von Wilfried Wesemann gemeinsam mit dem Publikum über Robotik und Digitalisierung in der Pflege. Fazit ist, dass für dieses Thema auf der Führungsebene die Verantwortung übernommen werden muss. Die Digitalisierung schenkt Zeit für die eigentliche Pflege und ist damit, aufgrund des Personalmangels, künftig wichtiger Bestandteil für die Arbeit im Pflegesektor. Die Podiumsteilnehmer riefen dazu auf, sich für Projekte zu bewerben und mit eigenen Ideen an Unternehmen heranzutreten, um gemeinsam Lösungen für den Alltag zu finden. Nach einer kurzen Pause begrüßte Wilfried Wesemann Erwin Rüddel MdB, den Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages. Herr Rüddel wies zu Beginn seines Vortrags darauf hin, was die Regierung mit den bestehenden Gesetzen in den letzten Jahren für die Pflege geschafft habe. In Zahlen ausgedrückt, seien die Ausgaben im Bereich Pflege von 24 Mrd. € auf 40 Mrd. € gestiegen. Auch werde mit den Änderungen im Gesetz nach und nach die Behandlungspflege in stationären Einrichtungen berücksichtigt. Dennoch gebe es, so Rüddel, im nächsten Jahr bereits das nächste neue Gesetz, in dem man sich eingehender mit dem Eigenanteil der Pflegebedürftigen befassen werde. Außerdem wies Rüddel darauf hin, dass der Beruf der Pflege attraktiver werde, wenn mehr Verantwortung und damit verbunden mehr Gestaltungsmöglichkeiten übertragen würden. Es sei an der Zeit, gewohnte Strukturen zu verlassen. „Ist in der Politik tatsächlich der Mut für eine systemische Veränderung da oder geht es weiterhin nur ums ‚Löcher stopfen‘?“, fragte Wilfried Wesemann in der anschließenden Podiumsdiskussion. Rüddel führte hierzu aus, dass 2019 ein zweites E-Health-Gesetz geplant sei - ebenso wie weitere Pflegegesetze. Der „Sockel-Spitze“-Tausch solle zügig diskutiert werden, weil klar sei, dass die Mehrausgaben nicht allein durch die Pflegebedürftigen finanziert werden könnten. Er verwies zudem auf die Kommunen, die in den letzten Jahren mehr Einnahmen als der Bund zu verzeichnen gehabt hätten, diese jedoch nur unzureichend verteilen würden. Leider musste Rüddel aufgrund von Verpflichtungen im Bundestag das Podium frühzeitig verlassen. In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum kritisierte Dr. de Vries, dass Rüddel die Träger dazu auffordere, über ihr Management nachzudenken, aber niemand darüber nachdenken würde, woher die vielen neuen Pflegekräfte tatsächlich kommen sollten. Die Träger bildeten so viele Menschen aus wie nie zuvor. Die Politik sei daher am Zug, um mit systemischen Veränderungen umzulenken. Anschließend wurden parallel in vier Workshops die Themen sektorenübergreifende Versorgung, Ehrenamt in der Pflege, Ausbildung und Integration von geflüchteten Menschen und die Zusammenarbeit des DEVAP mit dem KDA zum Positionspapier zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung von Experten erörtert und gemeinsam mit den Teilnehmern diskutiert. Wilfried Wesemann konnte nach einer weiteren Pause Herbert Mauel, Geschäftsführer des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa), beim DEVAP willkommen heißen. Herr Mauel stellte in seinem Vortrag die Frage: „Private und diakonische Anbieter in der Altenhilfe - Was trennt uns, welche Gemeinsamkeiten haben wir?“ Mauel machte deutlich, dass die größte Gemeinsamkeit dort bestehe, wo gemeinschaftlich Verträge unterzeichnet werden müssten. Dabei habe der bpa aber den Vorteil, dass er ohne Landesverbände strukturiert sei und eine interne Abstimmung deutlich einfacher sei als etwa bei der Diakonie. Die Unterschiede lägen, so Mauel, insbesondere bei den politischen Interventionen, die meistens nicht deckungsgleich seien und, ganz deutlich, bei der Verwendung von Gewinnen. Dennoch seien die Probleme in der Praxis die gleichen: Einrichtungen würden alle durch die Gesetzgebung zu Getriebenen. „Wir fühlen uns für alles Elend dieser Welt verantwortlich“, so Mauel in der anschließenden Diskussionsrunde, „dabei gibt es statt eines Personalproblems bei den Trägern ein Versorgungsproblem im System. Dafür sind die Träger nicht verantwortlich, sondern die Politik.“ Dr. de Vries und Mauel einigten sich am Ende der Diskussion darauf, dass es trotz teils verschiedener Ansichten auf konzeptioneller Ebene gut sei, einen Partner zu haben; z. B. zu den Themen Fachkräfte und Finanzierung der Pflegeversicherung könne man künftig gemeinsam an die Politik herantreten. Die Schlussworte richtete Nicolas Basse, DEVAP-Geschäftsführer, an die Gäste. Er bedankte sich für das Interesse und den guten Austausch und lud zum nächsten DEVAP-Symposium am 14. und 15. November 2019 nach Berlin ein.