06.07.2018

DEVAP Fachtagung am 06. Juli 2018 - Revolution in der Pflegeversicherung?

Prof. Dr. Heinz Rothgang zu Gast in Kassel.

Der DEVAP setzt sich seit Jahren für eine Neuausrichtung der Pflegeversicherung ein, um die zukünftigen Herausforderungen in der Pflege bewältigen zu können. Maßgeblich dafür sind die Vorschläge eines wissenschaftlichen Gutachtens der Universität Bremen, das unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz Rothgang Vorschläge zu einer alternativen Ausgestaltung der Pflegeversicherung unterbreitet. Zur weiteren Ausgestaltung wurde in Kassel i.R. eines Fachtags gemeinsam diskutiert.

Dr. de Vries u. Prof. Rothgang

„Revolution in der Pflegeversicherung? Neustart mit der Pflegeteilkasko!“ Zu diesem Thema diskutieren heute Mitglieder des DEVAP im „Haus der Kirche“ in Kassel bis zum späten Nachmittag über eine dringend benötigte Pflegereform für die Betroffenen und über Alternativen der Finanzierung.
Anlass ist ein vom DEVAP und von der Initiative ‚Pro Pflegereform‘ beauftragtes Gutachten der Universität Bremen zur „Alternativen Ausgestaltung der Pflegeversicherung“. Gemeinsam mit dem Autor der Studie, Prof. Dr. Heinz Rothgang, diskutieren die ca. 70 Teilnehmenden der bestens besuchten Fachveranstaltung verschiedene Reformmodelle und setzen sich in mehreren Workshops mit den Fragestellungen des Gutachtens auseinander: Wie kann Pflege für jeden Einzelnen finanzierbar bleiben, ohne im Alter zu verarmen? Wie kann die Trennung zwischen „ambulant und stationär“ endlich überwunden werden? Und wie lassen sich in Zeiten des Fachkräftemangels Angehörige und Zivilgesellschaft erfolgreich einbinden?
Klar ist dabei nach Ansicht der Experten vor allem eines: Ein „Weiter-So“ in der Pflegeversicherung kann und darf es nicht mehr geben! Alle bisherigen Reformen, die nur auf kleinschrittige Weiterentwicklungen setzten, sind nicht geeignet, um die zukünftigen Herausforderungen in der Pflege zu bewältigen.
Konkret muss es vor allem darum gehen, dass die pflegebedingten Kosten für alle Pflegebedürftigen finanzierbar bleiben - und zwar unabhängig davon, ob sie zu Hause, im Betreuten Wohnen oder in einem Pflegeheim leben. Insbesondere in der stationären Altenpflege steigen die von den Versicherten selbst zu tragenden Kosten stetig an und jegliche Verbesserungen, vor allem bei der Personalausstattung, müssen von den Pflegebedürftigen selbst getragen werden. Durchschnittlich belaufen sich diese sog. Eigenanteile auf derzeit mehr als 20.000 Euro pro Jahr. Viele Menschen können sich das nicht mehr leisten.
Bei der heutigen Veranstaltung des DEVAP in Kassel wird daher u. a. eingehend über die Möglichkeit diskutiert, das bisherige Verhältnis zwischen den nach oben hin offenen Eigenanteilen einerseits und den gedeckelten Leistungsbeiträgen der Pflegeversicherung anderer-seits umzudrehen (sog. „Sockel-Spitze-Tausch“). Dies würde bedeuten, dass die Pflegekasse alle notwendigen pflegebedingten Kosten übernimmt und dem Versicherten nur noch einen fixen, gesetzlich festzulegenden Eigenanteil berechnet, wodurch eine „Echte Pflege-Teilkasko-Versicherung“ entsteht. In der Folge trägt nicht mehr der Einzelne das finanzielle Pflegerisiko sondern die Solidargemeinschaft. Durch die zusätzliche Einführung einer Karenzzeit würde das individuelle finanzielle Risiko für den Aufwand von Pflegeleistungen bei eingetretener Pflegebedürftigkeit zudem erstmals kalkulierbar und versicherungsfähig.